Geschichte

Die dunkle Seite der Karibik: 1. Piraten

Die dritte Großmacht, die sich in der Karibik breit macht sind die Piraten. Die flachen Gewässer rund um die Bahamas sind idealer Unterschlupf. Im Goldenen Zeitalter von 1650 bis 1725 sind die wenigsten Schiffe vor den Seeräubern sicher.

DIE PIRATEN DER KARIBIK

Neben Nassau sind Port Royal auf Jamaika sowie die französische Siedlung auf Tortuga wichtige Piratensiedlungen. Kaperfahrer Woodes Roger sollte nun das Piraten-Problem mit einer Proklamation im Gepäck lösen. Aussteigen und straffrei bleiben oder Galgen? Ein Großteil der Seeräuber willigte ein – die übrigen wurden gehängt. 1725 war der Spuk vorbei: Das Ende des Zeitalters der Piraten war eingeläutet. Seit Kolumbus den Seeweg nach Amerika eröffnet hat, ist die spanische Flotte auf Beutezug. Gold, Edelsteine, Azteken- und Inkaschätze. Die Gerüchteküche brodelt und als der französische Seeräuber Jean Fleury ein Schiff mit Aztekenschätzen kapert wird die Neugier beflügelt. Das Goldene Zeitalter der Piraten beginnt.

DIE FLYING GANG IN NASSAU

Spanien und England sind nicht die einzigen Interessenten: Die dritte Großmacht hat sich in der Karibik in den folgenden Jahren einen gefürchteten Ruf erarbeitet: Die „Flying Gang“, eine Gemeinschaft von Seeräubern hat in Nassau auf den Bahamas ein Piratennest gegründet. Die flachen Gewässer sind tückisch für Angreifer und idealer Unterschlupf für die Seeräuber. In den absoluten Hochzeiten ankerten bis zu 50 Schiffe unter der „Jolly Roger“ Totenkopf-Flagge im Hafen – mehr als 2000 Piraten lebten hier. Die bekanntesten waren Blackbeard und Honigold. Und wie aus unzähligen Filmen und Romanen bekannt, schmückten sich die Seeräuber  überschwänglich mit Ringen, Schmuck und Gewändern und soffen auch Rum bis zum Umfallen. 

Was viele nicht wissen. Die Piraten waren im Grunde demokratischer als die Spanier und Engländer. Einheit, Gleichheit und Brüderlichkeit herrschte hier bereits vor der Französischen Revolution 1789. Wichtige Entscheidungen wurden tatsächlich von allen getroffen – selbst der Schiffsjunge hat eine Stimme. Außerdem war das Leben freier und lockerer als bei der Krone und obendrein gab es mehr Geld und reichlich Rum. Kurz: Für die „Flying Gang“ war es leicht, Matrosen zu finden und so entwickelte sich aus Nassau in den kommenden Jahren eine Piratenhochburg. 

DAS GOLDENE ZEITALTER DER PIRATEN

Nie waren die Seeräuber erfolgreicher als in den Jahren von 1650 bis 1725. Neben Nassau waren Port Royal auf Jamaika sowie die französische Siedlung auf Tortuga weitere Piratensiedlungen. Port Royal bei Kingston wurde 1692 von einem Erdbeben und einem nachfolgenden Tsunami vollständig zerstört. Der bekannte Freibeuter Henry Morgan trieb hier sein Unwesen. Die Stadt war gleichzeitig für ihre Sittenlosigkeit und lockere Moral bekannt.

DIE FREIBEUTER DER KARIBIK

Elisabeth I. ist seit 1558 auf Englands Thron und will der Vormacht Spaniens in der Karibik ein Ende setzen – dafür ist ihr jedes Mittel recht. Freibeuter Francis Drake geht ab 1577 auf Beutezug im Namen der Englischen Krone. Drake ist erfahrender Kapitän und hat die Welt umsegelt. 1586 greift er den spanischen Karibikstützpunkt Santo Dominigo mit zahlreichen Schiffen und Soldaten an. Wenn auch Spanien und Portugal noch für einige Zeit die Weltmeere dominierten, sorgte Francis Drake dafür, um den Ruf Englands als aufstrebende Seemacht zu stärken. Der spanische Welthandel kam ins Wanken, Schutzmaßnahmen gegen die englischen Kaperfahrten kosteten Zeit und Geld. Der Aufstieg Englands zur Seemacht sind sein Verdienst

DAS ENDE DER PIRATEN

Nichts mehr war vor der schlagkräftigen Piratenflotte sicher: Die Verluste durch die spanische und englische Krone war gewaltig. Der erfahrene und kampferprobte Kaperfahrer Woodes Roger sollte nun das Piraten-Problem lösen. Er kommt nicht nur mit Schwertern und Kanonen, sondern auch mit einer Proklamation: Jeder Pirat, der sich dem Gouverneur unterwirft, ist straffrei und darf wieder zurück ins bürgerliche Leben. Wer weiter Pirat bleibt, wird bis aufs Messer gejagt. Das Konzept ging auf: Für die meisten Seeräuber war die Proklamation eine gute Gelegenheit, begütert in die Normalität zurückzukehren. Nur rund 600 Piraten wurden gefangen und hingerichtet. Mehr als 50 Piratenkapitäne werden zum Tode durch den Strang verurteilt und, wie vom Blockbuster „Pirates of the Caribbean“ bekannt, in den Eingangshäfen der Inseln zur Abschreckung aufgehängt. Nur fünf Jahre später leben von den ehemals 2000 Piraten noch nicht einmal 200 in Nassau. 1725 wird als das Ende der Piratenzeit gesehen.

Michael Krüger

Ist in der Medien- und Musikszene als Journalist, Texter und Kreativer aktiv. Nach Studium, Akademie & Volontariat fest oder frei in Redaktionen und Agenturen sowie als Reisejournalist und Artworker tätig. Für seine Reisereportagen wurde er mit mehreren Journalistenpreisen ausgezeichnet.