KolumneReise & Flüge

Trump Slump: Reisen in die USA

Die Politik des amerikanischen Präsidenten ist Kassengift für die US-Touristboards. Und das bei diesen wichtigen Jubiläen: 250 Jahre Independence Day, Fußball-WM 2026, 100 Jahre Route 66. Statt des erwarteten Booms werden weniger Touristen erwartet. Einen Fachbegriff dazu gibt es auch schon. „Trump Slump“ wird der beachtliche Nachfrageeinbruch genannt. Vier Millionen weniger kanadische Touristen reisten 2025 ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten Auch die Zahl der Einreisen aus Deutschland in die USA sank laut Statistik des US National Travel and Tourism Office (NTTO) um mehr als 20 Prozent zum Vorjahr. Viele Reiseveranstalter sehen allerdings optimistisch in die Zukunft, weil die günstigen Flugpreise und der schwache Dollarkurs viele Gäste ins Land locken können.

Two girls with USA flag

2026: NEUE REGIERUNGSPLÄNE SORGEN FÜR KOPFSCHÜTTELN

Fünf Jahre Social-Media-Aktivität überprüfen? Telefonnummern und E-Mailadressen checken? Daten der Familienmitglieder? Sollten diese Pläne umgesetzt werden, wird der Tourismus weiter einbrechen: Für die Einreise in die USA gelten seit 2026 teils strengere Kontrollen: Beim ESTA-Antrag können mehr persönliche Daten (z. B. Social-Media-Infos) verlangt werden und Sicherheitsprüfungen wurden ausgeweitet. Für deutsche Touristen bleibt die visumfreie Einreise grundsätzlich bestehen, aber Visa können teurer werden und die Kontrollen insgesamt strenger sein.  

EINREISE-VERUNSICHERUNG AUCH DURCH FALSCHE BERICHTERSTATTUNG

Es herrscht sowieso eine große Verunsicherung zum Thema Einreise, die zum großen Teil auch durch falsche Berichterstattung befeuert wurde. Einige Medienberichte stellten die Fälle vereinfacht dar, etwa als seien die Betroffenen willkürlich oder nur wegen ihrer deutschen Staatsangehörigkeit festgenommen worden, während offizielle Berichte zeigen, dass die US‑Behörden ihre Entscheidungen auf rechtliche Grundlagen stützten, unter anderem auf den Verdacht eines illegalen Grenzübertritts über Tijuana zur Umgehung oder Verlängerung der zulässigen Aufenthaltszeit in den USA oder auf Unstimmigkeiten bei den Einreiseangaben.

REISEN GÜNSTIG WIE NIE: BERLIN-NEW YORK FÜR 350 EURO

Einige Urlauber, die erstmals in die USA reisen wollten, sind vorsichtig, während erfahrene US-Reisende sich weniger von politischen Entwicklungen abschrecken lassen und stattdessen die günstigen Preise für ihre Reisen nutzen: Berlin-New York für 350 Euro, Berlin-LA für 550 Euro. Im Vorjahr waren die Preise doppelt so hoch. 

FASZINATION USA: DOPPELT SO GROSS WIE EUROPA UND FANTASTISCHE NATUR

Was macht die Faszination Amerika aus? „America is big!“, „Die Weite“ und ja: Europa passt zweimal in die USA. Texas alleine ist doppelt so groß wie Deutschland. Und dann gibt es 63 Nationalparks, die teilweise größer sind als deutsche Bundesländer – perfekt für Leute, die Natur lieben. Wir sind ja quasi unser ganzes Leben lang vom US-Lifestyle begleitet worden. Durch Filme sind wir mit New York, LA, San Francisco und Miami Beach besser vertraut, als mit deutschen und europäischen Städten.

RIESIG, VIELFÄLTIG UND WAHNSINNIG SCHÖN

Die USA sind riesig, vielfältig, laut, überdreht, bunt, ruhig, witzig, überraschend – und ja, manchmal ein bisschen kompliziert. Menschenmassen in Monster-Metropolen und absolute Einsamkeit und Abgeschiedenheit. Und genau das macht den Reiz aus. Wer vorbereitet ist, erlebt Geschichten, die man später selten im Reiseführer liest: US-Amerikaner, die immer für einen Smalltalk zu haben sind, auch wenn man sich gerade erst über den Weg gelaufen ist. An der Tankstelle, im Café oder auf dem Bürgersteig – ein Lächeln, ein kurzes „Hi, where do you come from?“ und schon hat man das Gefühl, willkommen zu sein. Wer gerne plaudert, Geschichten hört oder einfach mal einen Tipp für ein gutes Restaurant oder einen Liveclub in der Stadt braucht, wird schnell fündig. Wer öfter über den großen Teich reist, erkennt den schroffen und unfreundlichen europäischen Umgangston und merkt das der freundliche Umgang, das das Reisen leichter und schöner macht.

DIE TRUMP-REGIERUNG IST KASSENGIFT FÜR DEN TOURISMUS

Die endlosen Straßen, die Städte, die einem wie Filmkulissen vorkommen, und die Natur, die einfach alles übertrifft. Wäre da nicht die aktuelle Politik, die einen großen Schatten auf das Land der unbegrenzten Möglichkeiten wirft – und das ausgerechnet zur 250-Jahr-Feier der Unabhängigkeit. Wir wollen hoffen, dass die USA trotz aller politischen Spannungen ihren offenen, vielfältigen Charakter bewahren und wieder stärker verbinden statt zu spalten.

Michael Krüger

Ist in der Medien- und Musikszene als Journalist, Texter und Kreativer aktiv. Nach Studium, Akademie & Volontariat fest oder frei in Redaktionen und Agenturen sowie als Reisejournalist und Artworker tätig. Für seine Reisereportagen wurde er mit mehreren Journalistenpreisen ausgezeichnet.